Das Ende der Kabel? Kabelloses DJing im großen Check: Pro & Contra der neuen Funk-Revolution

I. Einleitung: Von Science-Fiction zur Realität

Die Geschichte des DJings begann nicht mit flackernden LEDs und Beats, sondern mit mechanischen Apparaten, schweren Geräten und vor allem: Kabeln. Vom ersten Phonographen von Thomas Edison im Jahr 1877 bis zur Entwicklung des ersten dedizierten DJ-Mischpults, „Rosie“, durch Alex Rosner im Jahr 1971, war die physische Verbindung das Rückgrat der Performance. Selbst als in den 2000er Jahren der Übergang von Vinyl zu digitalen Medien wie CDs und später Laptops begann, blieben die DJ-Setups eine komplexe Ansammlung von Strippen, die Mixer, Controller und PA-Systeme miteinander verbanden.

Der Wendepunkt hin zur drahtlosen DJ-Welt wurde 2013 mit der Einführung des Pioneer XDJ-AERO eingeläutet, einem der ersten Geräte, die drahtlose Technologie in die DJ-Kabine brachten. Die Vision eines kabelfreien Gigs, bei dem sich der DJ frei bewegen kann, schien plötzlich greifbar. Doch diese Vision stieß auf vier elementare Risiken, die lange Zeit als unüberwindbar galten:

  1. Latenz: Die Zeitverzögerung, die durch die Übertragung des Audiosignals vom Sender zum Empfänger entsteht. Im Live-Einsatz, insbesondere beim Beatmatching, kann selbst eine Verzögerung von nur wenigen Millisekunden die Performance ruinieren.
  2. Zuverlässigkeit und Stabilität: Die Gefahr von Signalabbrüchen oder unvorhersehbaren Aussetzern, die den Groove abrupt beenden.
  3. Interferenzen: Störungen durch andere drahtlose Geräte wie Mobiltelefone, WLAN-Router oder Bluetooth-Geräte, die in belebten Veranstaltungsorten allgegenwärtig sind.
  4. Akkulaufzeit: Die Abhängigkeit von einer begrenzten Energiequelle, die den Gig vorzeitig beenden könnte.

Dieser Artikel untersucht, wie moderne, spezialisierte Funktechnologien diese Kernprobleme gezielt angehen und kabelloses DJing zu einer realen, praktikablen Option machen. Während Bluetooth in vielen Fällen weiterhin suboptimal ist, zeigen dedizierte Lösungen, dass die Zukunft tatsächlich kabelfrei sein kann.

II. Die Drahtlos-Pioniere: Mikrofone & Monitoring

Mikrofone: Der Weg von Analog zu Digital

Kabellose Mikrofone sind seit Langem ein fester Bestandteil der DJ-Welt, insbesondere bei Hochzeiten oder Events mit mehreren Rednern. Frühe analoge Funksysteme waren jedoch anfällig für Interferenz und hatten eine eingeschränkte Frequenzbandbreite. Um die Audioqualität zu optimieren, nutzten sie einen „Compander“, der das Dynamikspektrum komprimierte, was manchmal zu hörbaren Artefakten wie „Pumping“ oder „Breathing“ führen konnte.

Moderne digitale Funksysteme haben diese Probleme überwunden. Sie wandeln das analoge Audiosignal in einen digitalen Datenstrom um, der deutlich robuster gegenüber Störungen ist. Das Ergebnis ist eine signifikant bessere Klangqualität durch einen erweiterten Dynamikbereich. Darüber hinaus bieten digitale Systeme eine höhere spektrale Effizienz, da sie den Frequenzraum besser nutzen und so mehr Geräte gleichzeitig in derselben Umgebung störungsfrei betrieben werden können. Für sensible Kommunikation können digitale Signale zudem verschlüsselt werden.

Obwohl die Umwandlung von analog zu digital und zurück eine minimale Latenz erzeugt, haben schnelle Chips diese auf nur wenige Millisekunden reduziert, was die ursprünglichen Nachteile digitaler Systeme beseitigt hat. Dieser technologische Fortschritt, der das letzte verbleibende Manko der digitalen Technologie adressiert hat, ist der Grund dafür, dass digitale Mikrofonsysteme heute der Goldstandard für Zuverlässigkeit, Soundqualität und Effizienz sind. Analoge Funksysteme sind in diesem Segment daher nahezu obsolet geworden, da ihre Vorteile (vernachlässigbare Latenz) die Nachteile in Sachen Klangqualität, Zuverlässigkeit und Frequenzbeschränkungen nicht mehr aufwiegen können. Der Übergang zu digitalen Systemen ist somit in diesem Bereich weitgehend abgeschlossen.

Kopfhörer: Die Revolution im Monitoring

Für DJs ist eine extrem niedrige Latenz bei Kopfhörern unerlässlich, da selbst eine minimale Verzögerung zwischen dem Abspielen eines Tracks und dem Hören des Audios Beatmatching unmöglich macht. Standard-Bluetooth-Codecs wie SBC sind mit einer Latenz von bis zu 200 Millisekunden für diesen Anwendungsfall schlichtweg unbrauchbar. Für professionelles Live-Monitoring sollte die Systemlatenz unter der magischen 10-Millisekunden-Grenze liegen, da der Mensch Verzögerungen unter diesem Wert als „Echtzeit“ wahrnimmt. Um diese Anforderung zu erfüllen, haben Hersteller wie AIAIAI und AlphaTheta proprietäre, spezialisierte Funkprotokolle entwickelt.

AIAIAIs „W+ Link“ erreicht eine stabile Latenz von 9,5 Millisekunden und ermöglicht eine Betriebszeit von bis zu 20 Stunden im DJ-Modus. Diese Technologie nutzt ein dediziertes Funkfrequenzband im 2,4-GHz-Bereich, das Audiodaten in 24 Bit/48 kHz überträgt und im Gegensatz zu Bluetooth die Frequenzbänder nicht ständig wechselt, was für eine stabilere und störungsfreie Verbindung sorgt. Konkurrent AlphaTheta (ehemals Pioneer DJ) hat mit „SonicLink“ eine eigene Technologie entwickelt, die mit nur 9 Millisekunden Latenz noch schneller ist als der W+ Link und 20-mal schneller als der Bluetooth SBC-Codec. Die AlphaTheta HDJ-F10 Kopfhörer bieten im SonicLink-Modus eine Akkulaufzeit von 9 Stunden, was für die meisten Gigs ausreicht. Die proprietären Systeme opfern die universelle Kompatibilität von Bluetooth, um die spezifischen Anforderungen an Latenz, Stabilität und Bandbreite für Live-DJing zu erfüllen. Dies schafft eine neue, professionelle Produktkategorie und macht kabelloses Monitoring auf der Bühne erstmals praktikabel.

Trotz der Zuverlässigkeit dieser spezialisierten Systeme sollten DJs aus Sicherheitsgründen immer ein Kabel als Backup dabei haben, falls der Akku unerwartet leer wird. Die folgende Tabelle vergleicht die wichtigsten Technologien:

Technologie Latenz Akkulaufzeit (DJ-Modus) Audioqualität Protokoll Hersteller
AIAIAI W+ Link ms (9,5 ms) bis zu 20 Stunden 320 kbps, 48 kHz, 24 Bit Proprietär (2,4 GHz) AIAIAI
AlphaTheta SonicLink 9 ms 9 Stunden n/a (unkomprimiert) Proprietär AlphaTheta
Bluetooth (SBC/AAC) 100-200 ms 30+ Stunden Komprimiert (variabel) Standard Diverse

III. Die Revolution am Plattenteller: Gyroskop statt Nadel

Für DJs, die mit DVS (Digital Vinyl System) auflegen, waren die typischen Herausforderungen oft Vibrationen vom Subwoofer, Nadelverschleiß und unerwünschte Sprünge. Diese Probleme sind bei Live-Auftritten in lauten Umgebungen mit viel Bass eine ständige Sorge. Das französische Unternehmen MWM hat diese Probleme erkannt und mit „Phase“ eine revolutionäre Lösung geschaffen.

Phase ersetzt Nadel und Timecode-Vinyl durch zwei winzige, kabellose Gyroskope, die auf den Plattentellern platziert werden. Diese „Remotes“ analysieren die Drehbewegung und Geschwindigkeit der Plattenspieler mit extremer Präzision und senden die Daten drahtlos an einen Empfänger. Der Empfänger wandelt diese Informationen in ein Timecode-Signal um, das die DJ-Software steuert, ohne dass eine physische Nadel erforderlich ist. Dies eliminiert nicht nur Nadelverschleiß, sondern auch störende Geräusche und Sprünge, die durch Bassvibrationen verursacht werden. 

Der Start von Phase war jedoch nicht ohne Tücken. Frühe Anwender berichteten von Problemen mit der Verbindungsstabilität, ungenauem Tracking, oft als „Drift“ bezeichnet, und der Akkulaufzeit. Die anfängliche Euphorie über die bahnbrechende Technologie wurde durch diese Kinderkrankheiten getrübt. Das Unternehmen reagierte jedoch nicht mit einem Rückruf, sondern setzte auf einen neuen Ansatz: kontinuierliche Firmware-Updates. Diese Updates, kombiniert mit der verbesserten HID-Integration in DJ-Software wie Serato DJ Pro, haben die anfänglichen Probleme weitgehend gelöst. Die Entwicklung von Phase ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Hersteller heute ein Produkt auf den Markt bringen und es im Laufe der Zeit durch Software-Updates verbessern können, anstatt auf eine neue Hardware-Version warten zu müssen. Phase hat sich von einem „risikoreichen Experiment“ zu einem zuverlässigen, professionellen Produkt entwickelt. 

IV. Kabellose Party-Beschallung: Lautsprecher ohne Strippen

Wenn es darum geht, Musik über kabellose Lautsprecher an ein Publikum zu bringen, ist Bluetooth wegen seiner systembedingten hohen Latenz von bis zu 200 Millisekunden und variabler Verzögerungen ebenfalls ungeeignet. Dies führt zu hörbaren Delays und Time-Alignment-Problemen, die ein professionelles DJ-Setup unmöglich machen. Weder Bluetooth noch Wi-Fi, das mit Latenzen zwischen 250 und 2.000 Millisekunden kämpft, sind für diesen Anwendungsbereich eine Lösung. 

Diese Marktlücke hat eine neue Geräteklasse entstehen lassen, die auf dedizierten Funkprotokollen basiert. Technologien wie SKAA und AlphaThetas SonicLink wurden speziell für Audioanwendungen entwickelt, um niedrige, feste Latenzen und eine zuverlässige Übertragung zu gewährleisten. SKAA bietet eine Latenz von 36 Millisekunden im Standardmodus und 19 Millisekunden im SKAA Pro Modus. Dies ermöglicht ein präzises, zeitgleiches Abspielen von bis zu vier Lautsprechern, was für Multi-Speaker-Setups essenziell ist. Die portable Lautsprecherreihe von Soundboks integriert SKAA-Technologie, um bis zu fünf Einheiten kabellos zu verbinden („TeamUp“) und bietet dabei bis zu 10 Stunden Akkulaufzeit bei voller Lautstärke. 

Hersteller wie AlphaTheta und Soundboks haben erkannt, dass die Grenzen der etablierten Funkstandards eine Chance für die Entwicklung neuer, integrierter und auf professionelle Anforderungen zugeschnittener Lösungen darstellen. Diese Systeme sind nicht nur Lautsprecher, sondern vollwertige, akkubetriebene und drahtlos vernetzte Ökosysteme, die ein komplett kabelloses Setup ermöglichen, das über die simple Wiedergabe von Musik hinausgeht.

Die portable Lautsprecherreihe von Soundboks wurde für „unvorhersehbare Partys und Events“ entwickelt. Das Modell Soundboks Go, das mit zwei 72W Class-D-Verstärkern ausgestattet ist, erreicht einen maximalen Schalldruckpegel (SPL) von 121 dB. Es ist als „short king“ beschrieben, der dennoch „big on sound“ ist. Die „TeamUp“-Funktion erlaubt es, bis zu fünf Lautsprecher kabellos zu einem größeren „Big Rig“ für einen „Surround Sound oder Wall of Bass“ zu verbinden, um größere Veranstaltungsorte abzudecken. Der Akku hält bei voller Lautstärke bis zu 10 Stunden. 

Der AlphaTheta WAVE-EIGHT ist ein mobiler 110W-Lautsprecher mit einem 8-Zoll-Tieftöner und einem 1-Zoll-Hochtöner, der speziell für DJs entwickelt wurde. Mit seiner SonicLink-Technologie, die eine extrem niedrige Latenz bietet, ist er ideal für Outdoor-Events. Um größere Räume oder Veranstaltungen zu beschallen, können DJs problemlos mehrere WAVE-EIGHT-Einheiten kabellos über SonicLink verbinden, entweder als Stereopaar oder mit einem dritten Lautsprecher als dedizierten Subwoofer für einen „Club-ähnlichen, satten Bass“. Der Akku bietet bis zu 8 Stunden Laufzeit und das Gerät ist spritzwassergeschützt (IPX4-zertifiziert), was es ideal für den Outdoor-Einsatz macht. 

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Leistungsunterschiede der Funkprotokolle:

Technologie Typ Latenz Max. Empfänger Idealer Anwendungsbereich
Bluetooth Universal bis zu 200 ms 1-2 Casual Listening
SKAA/SKAA Pro Proprietär 19-36 ms bis zu 4 (SKAA) Professionelle Beschallung
SonicLink Proprietär ms (9 ms) (für Stereo/Sub) Professionelles DJ-Monitoring/PA

V. Bluetooths wahre Stärke: Der Drahtlos-Controller

Obwohl Bluetooth für die drahtlose Audioübertragung beim DJing ungeeignet ist, hat es in der DJ-Welt eine neue, wichtige Rolle gefunden. Die wahre Stärke von Bluetooth liegt in der Übertragung von MIDI-Daten, also Steuerbefehlen, die im Vergleich zu Audiodaten winzig sind und keine hohe Bandbreite erfordern. 

Während die Latenz bei Bluetooth-Audio bis zu 200 Millisekunden betragen kann, ist die Verzögerung für MIDI-Daten mit 3 bis 10 Millisekunden verschwindend gering und für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Eine gesamte Setup-Latenz kann leicht 15 Millisekunden betragen, wobei die Bluetooth-MIDI-Latenz nur einen Bruchteil davon ausmacht. Diese Eigenschaft hat zur Entwicklung einer neuen Kategorie von DJ-Controllern geführt, die sich an Einsteiger und mobile Anwender richten.

Ein Paradebeispiel ist der AlphaTheta DDJ-FLX4, der drahtlos per Bluetooth mit Smartphones und Tablets kommuniziert, um die DJ-Software wie rekordbox oder djay zu steuern. Der Controller fungiert hierbei als reine Steuereinheit, während das Audio-Signal von der DJ-App auf dem Smartphone selbst verarbeitet und über die Kopfhörerbuchse oder den Lautsprecher ausgegeben wird. Diese Vorgehensweise umgeht elegant das Problem der Bluetooth-Audio-Latenz. Ähnlich radikal ist der Hercules DJControl Mix Ultra, der als rein drahtlose Steuerung (Batterie und Bluetooth LE) für ein Tablet oder Smartphone dient. Auch hier erfolgt die gesamte Audio-Ausgabe über das mobile Gerät, wodurch ein ultra-portables, kabelfreies Setup für Einsteiger geschaffen wird. 

Die Schwächen von Bluetooth für professionelles Audio führten also nicht zu dessen Ausschluss, sondern zu einer Neupositionierung. Das niedrige Datenvolumen von MIDI-Befehlen machte es zur idealen drahtlosen Schnittstelle für eine neue Produktkategorie. Hersteller sind sich dessen bewusst und segmentieren ihre Produkte entsprechend, um unterschiedliche Bedürfnisse zu bedienen.

VI. Musik aus der Cloud: Streaming als Drahtlos-Quelle

Die neue Ära der Musikbeschaffung ist von der Cloud geprägt. Streaming-Dienste wie Tidal, Beatport, SoundCloud Go+ und Beatsource Streaming sind heute direkt in DJ-Software und Standalone-Geräte integriert, was den sofortigen Zugriff auf Millionen von Tracks ermöglicht. Systeme wie der Denon DJ PRIME GO+ oder der AlphaTheta XDJ-AZ sind mit integriertem WLAN ausgestattet, um direkt aus der Cloud zu streamen. Dies vereinfacht das Setup erheblich und erlaubt es DJs, auf neue Musik oder spontane Wünsche einzugehen, ohne eine große lokale Bibliothek pflegen zu müssen. 

Die entscheidende Achillesferse dieses Konzepts ist jedoch die Zuverlässigkeit der Internetverbindung in einem Live-Setting. Ein Ausfall des WLANs im Club kann das ganze Set beenden. Professionelle DJs verlassen sich daher niemals auf das WLAN der Location, da die Bandbreite mit den Handys der Gäste konkurriert und oft instabil ist. Die verlässlichere Lösung ist der eigene mobile Hotspot, der eine gewisse Kontrolle über die Verbindung gewährleistet. 

Das entscheidende Element für professionelles Streaming-DJing ist jedoch das Offline-Caching. Professionelle DJs, die Streaming nutzen, laden die Tracks für ihren Gig im Voraus auf ihren Controller oder Laptop herunter. Dienste wie Beatport Streaming (Pro+) und SoundCloud DJ bieten diese Funktion an, um die Tracks lokal zu speichern. Dies sichert das Set gegen Internet-Ausfälle ab, da die Musik aus dem lokalen Cache abgespielt wird. Die Bequemlichkeit des Streamings kommt somit mit dem Risiko der Netzunzuverlässigkeit, das sich aber durch proaktives Risikomanagement beherrschen lässt. Das Offline-Caching ist der kritische Unterschied zwischen einer Casual- und einer professionellen Anwendung des Streamings und verwandelt ein potenziell riskantes Live-Setup in ein robustes.

Dienst Software-Integration Offline-Caching Fokus Abo-Kosten (ca.)
Beatport Streaming Rekordbox, Serato, Engine OS (Pro+ Plan) Electronic Music £9.99 (Advanced) / £29.99 (Pro+)
Tidal Rekordbox, Serato, Virtual DJ (HiFi Plus Plan) Hi-Res/All Genres £9.99 (Standard)
SoundCloud Go+ / DJ Rekordbox, Serato, djay (DJ Plan) Elektronisch, Underground $10.99 (Go+) / $19.99 (DJ)
Apple Music Rekordbox, Serato, OMNIS-DUO (kein Caching) Mainstream, Charts £10.99+

VII. Kabellose Lichttechnik: Die Bühne erhellen

Für mobile DJs und Event-Veranstalter ist kabellose Lichttechnik ein „Game-Changer“, da sie das Verlegen und Sichern langer Kabel überflüssig macht und die Flexibilität im Setup massiv erhöht. 

1. Drahtloses DMX (WDMX)

Die drahtlose DMX-Technologie ersetzt das herkömmliche DMX-Kabel, das zur Steuerung von Scheinwerfern, Moving Heads und anderen Lichteffekten verwendet wird. Hauptvorteile sind die Beseitigung von Stolperfallen und der geringere logistische Aufwand beim Auf- und Abbau. Systeme wie WDMX von Ape Labs oder Lumen Radio, die oft im lizenzfreien 2,4-GHz-Band arbeiten, nutzen Frequenz-Hopping (AFHSS), um Interferenzen zu vermeiden und eine zuverlässige Datenübertragung zu gewährleisten.

Dennoch birgt die Technologie Risiken, da andere kabellose Geräte von Gästen (z.B. Handys oder WLAN-Router) zu Signalstörungen führen können. Die Latenz ist bei der Lichtsteuerung meist vernachlässigbar, da sie oft nur wenige Millisekunden beträgt und kaum wahrnehmbar ist. Experten empfehlen jedoch, wenn möglich, immer eine kabelgebundene Verbindung für maximale Zuverlässigkeit zu nutzen und WDMX nur dann einzusetzen, wenn eine Verkabelung nicht realisierbar ist. Eine gängige Methode, um das Risiko zu minimieren, ist die Verwendung eines einzigen drahtlosen Empfängers, der dann die Steuerung per Kabel an eine Gruppe von Scheinwerfern weitergibt. 

2. Akku-basierte Lichtlösungen

Zusätzlich zur drahtlosen Steuerung gibt es eine Vielzahl von Lichteffekten, die über integrierte Akkus verfügen, was die Unabhängigkeit vom Stromnetz erhöht. Diese batteriebetriebenen Scheinwerfer sind besonders für mobile Veranstaltungen, Hochzeiten oder kleine Outdoor-Events beliebt. Wichtige Faktoren beim Kauf sind die Akkulaufzeit (8 bis 12+ Stunden sind ideal für einen Gig), die Helligkeit und die Steuerungsmöglichkeiten (Fernbedienung, App oder WDMX).44

  • Akku-Uplights: Diese sind ein Muss für viele DJs, um Wände oder Dekorationen farblich zu akzentuieren. Ape Labs gilt als Branchenführer und „Gold-Standard“ für professionelle Akku-Lichttechnik, die durch ihre intuitive App-Steuerung und intelligente Funktionen wie den „MusikMode“ (sound-reaktive Effekte) überzeugt. Prost Lighting bietet eine budgetfreundliche Alternative für einfachere Anwendungen. 
  • Akku-Scheinwerfer: Einige Geräte wie der „Both Lighting BPM Spot 100“ sind batteriebetriebene Moving Heads mit 100W-LED und integriertem WDMX. Mit einer Akkulaufzeit von bis zu 6 Stunden sind sie eine flexible Option für die Bühnenbeleuchtung. 

3. Integration mit DJ-Controllern

Einige moderne DJ-Geräte wie der Denon DJ PRIME GO+ und der Denon DJ SC LIVE 4 haben integrierte Funktionen zur Steuerung von Lichttechnik. Mit der „Engine Lighting“-Steuerung können diese Controller kabellos mit intelligenten Lampen wie Philips Hue und Nanoleaf oder über eine DMX-Schnittstelle mit professionellen DMX-Scheinwerfern verbunden werden, um automatische, auf den Takt abgestimmte Lichtshows zu erzeugen.

VIII. Fazit und Empfehlungen: Deine kabellose Checkliste

Die Analyse zeigt, dass kabelloses DJing heute mehr als nur eine Vision ist. Dank spezialisierter Technologien, die die entscheidenden Schwachstellen von Latenz, Stabilität und Akkulaufzeit adressieren, ist es in vielen Bereichen zu einer praktikablen und professionellen Option geworden.

  • Mikrofone & Kopfhörer: Die Probleme der Latenz im professionellen Audio-Monitoring sind gelöst. Proprietäre Funktechnologien wie AIAIAI W+ Link und AlphaTheta SonicLink machen kabelloses Monitoring auf Profi-Niveau möglich.
  • Plattenspieler: Die Gyroskop-Technologie von Phase hat die Probleme von Timecode-Vinyl überwunden und sich von einem wackligen Start zu einer zuverlässigen, professionellen Lösung entwickelt, die durch kontinuierliche Software-Updates verbessert wurde.
  • PA-Systeme: Dedizierte Funkprotokolle wie SKAA und SonicLink machen kabellose Multi-Speaker-Setups realisierbar, während Bluetooth weiterhin ungeeignet ist. Mobile Akku-Lautsprecher mit hoher Wattzahl sind nun auch für größere Events eine Option.
  • Controller: Bluetooth ist ideal für die Übertragung von MIDI-Daten und hat eine neue Generation von ultra-portablen Controllern für Einsteiger hervorgebracht.
  • Streaming: Die riesige Freiheit der Cloud kommt mit dem Risiko einer instabilen Internetverbindung. Professionelle Anwender beherrschen dieses Risiko durch die Nutzung von Offline-Caching und dem eigenen mobilen Hotspot.
  • Lichttechnik: Wireless DMX und akkubetriebene Lichteffekte beseitigen Stolperfallen und vereinfachen den Auf- und Abbau, müssen aber aufgrund potenzieller Signalstörungen sorgfältig eingesetzt werden.

Die goldene Regel des kabellosen DJings lautet: Latenz und Zuverlässigkeit stehen über allem. Ein günstiges Bluetooth-System ist keine Lösung für Live-Audio, da es die grundlegenden technischen Anforderungen nicht erfüllt. Wer sich drahtlos auf ein professionelles Setup verlässt, muss in dedizierte Systeme investieren, die genau diese Punkte adressieren.

Praktische Empfehlungen für den DJ:

  • Der Einsteiger: Ein Bluetooth-Controller wie der AlphaTheta DDJ-FLX4 oder der Hercules DJControl Mix Ultra ist ein hervorragender, kostengünstiger und unkomplizierter Weg, um die Grundlagen des DJings zu lernen.
  • Der mobile DJ: Ein All-in-One-System mit integriertem Akku und Streaming-Fähigkeit in Kombination mit einem kabellosen PA-System wie dem AlphaTheta WAVE-EIGHT bietet maximale Flexibilität für Outdoor-Gigs. Offline-Caching und ein mobiler Hotspot sind dabei essenziell, um Ausfälle zu vermeiden. Ergänzend dazu sind batteriebetriebene Lichteffekte mit Wireless DMX für eine schnelle und unkomplizierte Lichtshow ideal.
  • Der Profi: Drahtlose Kopfhörer von AIAIAI oder AlphaTheta sind für die Bühne eine echte Erleichterung. Phase ist für DVS-Turntablists eine Investition in die Zuverlässigkeit, die sich auszahlt.

Der Kabelsalat lässt sich heute eliminieren, ohne die Performance zu gefährden – vorausgesetzt, man weiß, auf welche Technologie man setzt.

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